Palindrome / 8

Palindrome-8-kal

Meine Mutter war Näherin. Schon als Kind trug ich Maßgeschneidertes… Alle Anderen trugen zerrissene Jeans, die Knie mussten durchschauen, wenigstens! Ich hasste meine Stoffhosen… Einmal brach ich die Nadel ab, als Mutter nicht da war. Netter Versuch… Natürlich hatte sie eine ganze Batterie neuer Nadeln! Später mochte ich gern Anzüge tragen, aber die kaufte ich mir lieber von der Stange; Ich ertrug ab einem gewissen Alter ihre Anproben nicht mehr. Eigentlich ertrug ich gar keine menschliche Nähe…

Werbeanzeigen

Ein Freund

Pudel2

… wäre schön, aber im Knast sind die meisten Männer Verbrecher, auch die, die glauben, völlig unschuldig hier zu sitzen. Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung, wie er sein sollte, der gute Freund. Er sollte ein richtiger Mann sein. Klug, aber nicht klüger als ich. Und er müsste Hunde mögen. Ein väterlicher Freund wäre schön… Lebensklug, gutmütig, verständnisvoll… Er könnte mich aufrichten, wenn… Ich glaube, mich überfällt gerade eine Depression…

Feste

Tanzen

… finden bei uns meist sitzend am Tisch statt, vor vollen Tellern und Schüsseln, Flaschen mit bunten Likören für die Damen, Wein und Bier für die Herren, irgendwann kann man einfach nicht mehr aufstehen, wie ein voller Sack fühlt man sich da, und Mutter sagt immer noch „nu isst noch was, Junge“. Der Hund sitz dann unterm Tisch und hofft auf Leckerbisse. Mir hätte es gefallen, wenn es Tanz gegeben hätte … Dem Hund sicher auch, er versenkte gerne seine Zähne in sich bewegende Waden, das konnte ihm niemand abgewöhnen, wir haben die Hundeschule versäumt… Viele Zähne hatte er aber nicht mehr.  Die meisten Verwandten rauchen Kette. Der Hund war der einzige Nichtraucher. Und ich.

18. Der Hund

00000049torsten18

Die nächste Zeugin heißt Anke B. Sie wohnt in Parknähe. Sie sagt: „Am Morgen war ich mit dem Hund spazieren. Der Hund schlug an. Ich habe ein Portmonee  gefunden. Im Portmonee war ein Ausweis. Ich rief den jungen Mann an, aber da war nur seine Mutter und erzählte, dass er im Krankenhaus lag. Ich ging zur Polizei.

v.l.n.r. im Zuschauerraum: Lydia, (eine meiner Studentinnen), der jugendliche Bruder eines der Angeklagten. Im Zeugenstand Frau Anke B.